Yoana Tuzharova

retro spektiv

Was können wir von gestern über heute und morgen lernen? Und dies mit Entdeckerlust und ästhetischem Vergnügen?

Mit „retro spektiv“ hat Yoana Tuzharova für das Gustav-Lübcke-Museum eine raumgreifende multimediale Installation entwickelt, die sich auf formale und inhaltliche Gegebenheiten des Ausstellungshauses bezieht, das ein Ort der Geschichtserzählung und des Erinnerns ist.

 

Yoana Tuzharova

Inspiriert von der epochenübergreifenden Kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlung des GLM, erschafft Tuzharova eine Kunst-Welt, mit der sie gesellschaftliche Tendenzen der Gegenwart in neuer Weise abbildet und so erlebbar, les- und kritisierbar macht.

Dabei greift die Künstlerin mit Holz- und Keramikskulpturen, die an historische Vasen und Vorratsbehälter, und in Drucken, die entfernt an Wandteppiche und antike Säulenbemalungen erinnern, traditionelle kunsthandwerkliche Techniken wie Töpfern, Schnitzen, Bemalen und Weben auf. Die Objekte sind jedoch nicht handgemacht, vielmehr sind ihre Formen, ornamentale Rotationskörper, maschinell errechnet und erstellt. Sie basieren auf computergenerierten Übersetzungen von offiziellen Daten der Weltbank, der UNESCO, UNO und EU, die globale Prozesse der Gegenwart erfassen, in zwei- und dreidimensionale Strukturen. Diese Objekte ergänzt die Künstlerin durch ein Video und eine Soundinstallation, zeitgenössische Medien, in der die zugrundeliegenden Daten in Licht- und Tonwellen transformiert sind.

 

Mit „retro spektiv“ wird das (Studio des) GLM optisch und akustisch neu definiert und der Blick auf die Sammlung des Hauses geschärft. Was zunächst als bloß dekorativ-schönes Objekt erscheint und ästhetisches Wohlgefallen weckt, ist durch das Hintergrundwissen um seine Entstehungszeit und den Prozess seiner Herstellung zu einem Gegenstand geworden, der, im besten Fall, die kritische Reflektion über dessen Sitz im Leben und die Gegenwart initiiert.

Susanne Schulte, GWK

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