Faszination Papier

fascination paper

Seit Papier existiert sind die Menschen von diesem Werkstoff fasziniert. Denn Papier verkörpert Zartheit und Stärke, Fragilität und Festigkeit, es wirkt gleichermaßen unberührbar wie haptisch anziehend. Kein anderes Material der Kunst ist so sinnlich, präsent und wandelbar.

Faszination Papier

Oft gilt es sich einzulassen, um die Feinheiten zu entdecken, aber umso nachhaltiger wirkt diese besondere Kunst. Das Medium Papier spricht eine universelle Sprache unabhängig von Sprache und Kultur und erreicht somit alle. Wie unendlich die Gestaltungsmöglichkeiten im Umgang mit Papier sind, zeigt das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm in der kommenden großen Ausstellung „Faszination Papier – fascination paper“ vom 14. August 2022 bis 15. Januar 2023. Ausgewählt wurden 30 internationale und renommierte Künstlerinnen und Künstler der Papierkunst, die den Werkstoff Papier skulptural virtuos beherrschen. Diese Kunstschaffenden arbeiten wie Bildhauer:innen, sie experimentieren mit ungewohnten Techniken und setzen den vermeintlich fragilen Werkstoff neu in Szene.

Im architektonisch beeindruckenden Oberlichtsaal des Museums wird auf mehr als 500 qm² die Wandelbarkeit von Papier vor Augen geführt. Gezeigt werden mathematisch exakt errechnete Faltobjekte, knifflige Collagen und lichtdurchflutete Bildtransparente, welche die Zartheit des Papiers auf besondere Weise verdeutlichen. Zu sehen sind darüber hinaus gestalterisch originelle Skulpturen und z.T. amüsante Objekte aus Papier oder Pappe sowie Scherenschnitte – darunter auch überwältigende dreidimensionale Cut-Outs und ebenso raumgreifende Installationen.

Die räumlich ausladenden Environments, die die Betrachtenden umgeben, belegen nicht nur das Interesse am Material Papier, sondern zugleich auch das Zusammenwirken mit dem Ort. So werden etliche Kunstschaffende im Spiel mit den Räumen des Museums (Oberlichtsaal, Foyer und Teile der Sammlung Angewandte Kunst) für Hamm ganz neue Werke entstehen lassen.

In der Ausstellung wird deutlich, dass Kunst aus Papier nicht ausschließlich ein rein ästhetisches Faszinosum darstellt, sondern auch Anleihen macht bei Architektur, Ingenieurwesen, Naturwissenschaft und Mathematik. Darüber hinaus werden die Museumsgäste entdecken, dass Papierkunst oft auch Botschaften über ethische, politische und soziale Fragen transportiert, die etwa Ausgrenzung und Gewalt betreffen. Und nicht zuletzt kommen dem Entdecken, der Wertigkeit und der Beständigkeit des Materials eine große Bedeutung zu: Upcycling, Recycling und Nachhaltigkeit werden in der gezeigten Papierkunst ersichtlich und setzen ein Zeichen für die Zukunft.

Diese Ausstellung, die das erstaunliche Talent von Repräsentanten der Papierkunst aus aller Welt im Umgang mit dem besonderen Material Papier zeigt, ist bedeutsam für Menschen aller Altersklassen – und für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Sie erzeugt nicht nur Neugierde, bringt Erkenntnisse und stärkt die Visualität, sondern ruft auch Emotionen und eine Wertschätzung für dieses besondere Material hervor. Durch die Beteiligung von Künstler:innen aus aller Welt erhält das Museum in Hamm eine internationale Strahlkraft.

Zur Ausstellung erscheint ein 200 Seiten starker Katalog, der nicht nur die Werke, Vitae und Statements der Künstlerinnen und Künstler beinhaltet, sondern auch abwechslungsreiche Ausstellungsimpressionen, bei denen das Zusammenspiel von Museumsarchitektur und Kunst zum Tragen kommt.

Kuratorin: Dr. Diana Lenz-Weber​​​​​​​

Galerie