Die Männer hinter der Mumie

& El Tuweina – eine Residenz in der Wüste

Warum gründeten Hammer Bürger im Jahr 1886 einen Verein, um eine altägyptische Mumie zu kaufen? Die Studio-Ausstellung erzählt die faszinierende Geschichte des Hammer Mumienvereins neu und wirft zugleich einen kritischen Blick auf die Begeisterung für das Alte Ägypten, koloniale Sammlungsgeschichten und den verantwortungsvollen Umgang mit menschlichen Überresten.

Die Männer hinter der Mumie

Die Geschichte des sogenannten Hammer Mumienvereins zählt heute zu den vielfach überlieferten Erzählungen der Stadt Hamm: Im Jahr 1886 schlossen sich 20 Bürger der Stadt zu einem Verein zusammen, dessen erklärtes Ziel der Ankauf einer altägyptischen Mumie war. Die Finanzierung erfolgte über den Verkauf sogenannter „Mumienaktien“, von denen ein Exemplar bis heute in der Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums erhalten ist. Noch im Gründungsjahr gelang der Erwerb und die Mumie wurde nach Hamm überführt. Bereits 1887 löste sich der Mumienverein auf und übergab die Mumie an den Museumsverein der Stadt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Mumie zerstört; als einziges erhaltenes Zeugnis gilt eine Schwarz-Weiß-Fotografie.

 

 

Die Studio-Ausstellung im Herbst 2026 nimmt diese lokalhistorisch bedeutsame Episode zum Ausgangspunkt, um sie wissenschaftlich zu kontextualisieren: Im Fokus stehen die sozialen bzw. ideengeschichtlichen Hintergründe des Mumienvereins sowie seine Einbettung in die im späten 19. Jahrhundert verbreitete „Ägyptomanie“. Zugleich beleuchtet die Ausstellung die Motive der beteiligten Akteure und die historischen Bedingungen, unter denen menschliche Überreste aus Ägypten nach Europa gelangten sowie öffentlich präsentiert wurden und thematisiert gleichsam die Verantwortung von Museen im Umgang mit kolonial geprägten Sammlungspraktiken. Ferner wird der Frage nachgegangen, um wen es sich bei der Mumie handelte und wie sie nach Hamm gelangte.

 

 


El Tuweina - eine Residenz in der Wüste 

 

30.10.2026 bis 15.04.2027 | Kabinettausstellung in der Dauerausstellung Altes Ägypten

Mit der Kabinettausstellung gibt das Gustav-Lübcke-Museum Einblick in aktuelle archäologische Forschungen im Sudan. Im Mittelpunkt steht der Siedlungskomplex von El Tuweina, gelegen im oberen Wadi Abu Dom in der Bayuda-Wüste. Die Anlage wurde in den Jahren 2013 sowie 2017 bis 2019 vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster archäologisch untersucht.

Der aus drei Baustrukturen bestehende Komplex aus Stein- und Lehmziegelmauern datiert in die Spät-Meroitische Epoche (3. Jhd. n. Chr.) und war ein regionales Zentrum in einer ansonsten von Mobilität geprägten Landschaft. Architektur, Keramik und weitere Funde zeigen dabei eine eigenständige materielle Kultur. Fragmente von rot bemaltem Putz sowie Objekte aus Metall und Fayence weisen auf eine lokale Elite hin, die die Anlage nutzte.

Ein Teil der Grabungsfunde wurde zu Forschungszwecken nach Deutschland gebracht. Aufgrund des seit 2023 andauernden Krieges im Sudan konnten die Funde noch nicht zurückkehren und befinden sich derzeit in Münster. Der bewaffnete Konflikt gefährdet nicht nur das Leben der sudanesischen Bevölkerung, sondern auch das kulturelle Erbe des Landes: Archäologische Stätten und Museen werden beschädigt, zerstört oder geplündert, der illegale Handel mit Antiken nimmt stark zu.

Die Kabinettausstellung bietet die seltene Gelegenheit, diese Forschungsergebnisse erstmals öffentlich zu präsentieren und Einblicke in das Leben der Menschen in der Bayuda-Wüste vor rund 1.700 Jahren zu gewinnen.

Die Ausstellung wird im Sommersemester 2026 von Prof. Dr. Angelika Lohwasser, Universität Münster und Jalina Tschernig, Sammlungsleiterin Altes Ägypten am GLM in Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität Münster entwickelt.

 

 

 

Blick auf El Tuweina © Angelika Lohwasser Blick auf El Tuweina © Angelika Lohwasser

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